Nachruf Angie Müller

Unsere Sportheim-Wirtin war ein „Mensch zum Gernhaben“, sie fehlt uns schon jetzt!

Weil du ein Herz hast wie ein Bergwerk,
bist du a Wahnsinn für mich, ich steh` auf Dich“, mit dieser Liedzeile aus dem Austria-Song-Klassiker von Reinhard Fendrich, lässt sich am besten das enge Verhältnis von der großen Fan- und Sportgemeinde des SV Bruckmühl zu „ihrer“ Sportheim-Wirtin „Angie“ beschreiben. Doch nicht nur für „ihre“ Sportlerinnen und Sportler, sondern auch für eine Vielzahl von Gästen aus nah und fern war Angie Müller fast fünf Jahrzehnte lang der Inbegriff einer Gastwirtin, einer Gastgeberin.

Mit ihr verlor die Marktgemeinde Bruckmühl Ende Juli im Alter von nur 69 Jahren viel zu früh einen besonderen Menschen, ein „Original“, ein Stück Gaststätten-Geschichte.

Sie war nicht nur die angesehene, allseits beliebte und geschätzte Sportheim-Chefin, sondern für viele auch eine Freundin für alle Lebenslagen, eine zuhörende Gesprächspartnerin in „verzwickten“ Lebenssituationen oder auch eine abwägende Ratgeberin, wenn es bei dem einen oder anderen nicht so „geradeaus“ lief, wie es eigentlich sollte.

Für alle war sie aber eines, „ein Mensch zum Gernhaben“, offen, zuverlässig, authentisch, gradlinig.

Ihr großes „Bergwerk-Herz“ schlug aber vor allem auch für die kleinen Kids. Wenn „Not an der Mama oder dem Papa war“, ließ sie alles stehen und liegen und schlüpfte sofort in die „Babysitter- oder Aufpasser-Rolle“. Dies führte dann nicht selten dazu, dass die „kleinen Racker“ lieber bei „ihrer Sportheim-Angie“ geblieben wären, als nach Hause zu fahren. Doch fand sich für die kleinen Gäste fast immer in der großen Kühltruhe zwischen Schenke und Küche „rein zufällig“ noch ein „Steckerl-Eis“ für den so langen Nachhauseweg.

Bei den Älteren war demgegenüber ihr rechtes Handgelenk gefürchtet. Mit großer Regelmäßigkeit brachte sie beim „Chicago-Würfeln“ am „legendären“ Stehtisch neben der Schenke vor allem die Hand- und Fußballer zur späteren Stunde mit ihren „drei Einsern“ zur Verzweiflung. Gleiches galt auch für die Spielpartnerinnen und -partner beim „Kniffeln“. Ähnlich berühmt-berüchtigt waren ihre schier endlosen Glückssträhnen beim Rommé-Karten-Spiel. Nach geheimen „Insider-Informationen“ war die Bereitschaft zum Kartenspielen sogar eine wichtige Grundvoraussetzung für eine Anstellung als Bedienung. Zu letzteren Mädels pflegte sie ein ganz besonderes Verhältnis. So entstanden aus den meist langjährigen Arbeitsverhältnissen Freundschaften.

Am 8. Dezember 1950 erblickte „Angie“ in Feldkirchen-Westerham das Licht der Welt. Nach der Vagener Schulzeit und der Ausbildung zur Feinkostverkäuferin folgte sie 1971 ihrer Gasthaus-Leidenschaft ins „fränkische Ausland“. Dort lernte sie als Servicekraft in einem angesehenen Gasthaus ihren „Arno“ kennen. Am 8. September 1973 läuteten in Neustadt an der Aisch die Hochzeitsglocken. Kurze Zeit später machte Sohn Christian das glückliche „Müller-Trio“ komplett. Im Dezember 1974 folgte die junge Familie dem Lockruf des SV Bruckmühl ins Mangfall-Tal und übernahm als Pächter das legendäre SVB-Sportheim auf dem alten Areal an der Mangfall. Im Sommer 1989 folgte dann der Umzug in die „neue und große Sportheim-Gaststätte“ am südlichen Gemeindeende. Spätestens jetzt wurde ihre Liebe zur Gastronomie zum „ultimativen“ Fulltime- und Teamplayer-Job.

Während Ehemann Arno als „fränkischer Chefkoch“ glänzte, Sohn Christian an der Schenke wirbelte, übernahm „Angie“ den Part der „Vollblut-Frontfrau“. Damit war eine Sechs-Tage-Woche mit bis zu 80 Arbeitsstunden verbunden. Urlaub war nur zu den alljährlichen Volksfestzeiten Anfang/Mitte Juli im italienischen Caorle oder in der Winterzeit für ein paar Tage auf den kanarischen Inseln möglich.

2014 wurden „Angie“ und ihre beiden Männer mit einem Festakt und 150 geladenen Gästen für ihr 40-jähriges Pächter-Jubiläum geehrt und gefeiert.

Fazit: Das SVB-Sportheim war „Angie“ mit Arno und Christian – „Angie“ war mit Arno und Christian das SVB-Sportheim.

Ihre persönlichen Markenzeichen, die Rommé-Karten, die Würfelbecher, die weiße Kittelschürze und ihre geliebten „Schlappen“, bleiben sicherlich unvergesslich.

© Torsten Neuwirth

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