Coronakrise

Fünfte Bruckmühler Jahreszeit abgesagt

Torsten Neuwirth,
Pressewart SVB

28. April 2020

„Feste soll man Feiern, wie sie fallen und dann Aufhören, wenn es am Schönsten ist“, wer kennt nicht diese Redewendung. Doch was tun, wenn man gar nicht erst zum Feiern kommt, und wie dann mit den Folgewirkungen umgehen?

Mit dieser Kardinalfrage setzte sich jüngst aus aktuellem Anlass die Vorstandschaft des SV Bruckmühl (SVB) um Chef Klaus Christoph in einer eigens einberufenen „Brandsitzung Bruckmühler Volksfest 2020“ auseinander. Das Ergebnis wird keinen überraschen: Die „Bruckmühler Wiesn 2020“ (Termin 10. bis 19. Juli) wird erstmalig in seiner fast sieben Jahrzehnten langen und erfolgreichen Historie ein Opfer des „dicken Rotstifts“. Einheitlicher Tenor der Entscheidungsträger: Auch, wenn es weh tut, die Gesundheit und die körperliche Unversehrtheit aller steht an oberster Stelle, Punkt! „Nur topp Teams, egal von welcher Sportart, kommen gestärkt aus einer Krise raus, und dies gilt auch für uns“, schwört Christoph seine SVBler auf die nahe Zukunft ein.

Wir hatten die Corona-Entwicklungen schon seit einiger Zeit fest im Blick, und dabei auch diverse Veranstaltungs-Szenarien gedanklich auf dem Tableau skizziert. Wenn du dann aber vor dem Fernseher sitz und den denkwürdigen Satz des Bayerischen Ministerpräsidenten live hörst – `bis Ende August werden keine Großveranstaltungen durchgeführt` – versetzt es dir dann doch einen deutlich spürbaren Stich in der Herzgegend samt rasanten Anstieg der Pulsfrequenz“, blickt SVB-Vorstand auf den entscheidenden Moment zurück.

Ab diesem Zeitpunkt schalteten die SVB-Verantwortlichen sofort in den vorbereiteten Krisenmodus.
Im „Zwölf-Augengespräch“ – mit gebührendem Sicherheitsabstand – wurde der bis dato schon festgelegten „Absage-Agenda“ der fehlende Feinschliff verpasst.

„Klar war uns von vornherein, dass der Wiesn-Ausfall ein einschneidender Einschnitt für das sportliche wie auch gesellschaftliche Leben und vor allem auch für den wirtschaftlichen Bereich unseres Vereins bedeutet“, erklärt SVB-Vize Bernhard Gleißner. Nach seiner Darstellung werden die Einnahmen und Ausgaben für 2020 und die folgende Zeit sowohl durch den Hauptverein als auch durch die neun Sportsparten auf den Prüfstand gestellt und dann neu justiert.
Dies werden wir aber in Ruhe, im konstruktiven Miteinander und mit dem gebührenden Weitblick angehen“, verspricht dazu SVB-Kassier Stefan Brence.

Dritter Vorstand Bruno Stach bezeichnet den Ausfall der SVB-Wiesn als „herben Schlag ins Kontor“. Seinen Aussagen nach wird der Reingewinn der „Bruckmühler Fünften Jahreszeit“ zu einhundert Prozent für den Unterhalt und Investitionen des vereinseigenen SVB-Sportzentrums (Sportheim-Gaststätte mit Kegelbahnen, vier Fußballplätze, sechs Tennisplätze mit Kids-Arena und Vereinsheim, eine komplette Leichtathletikanlage, zwei Beach-Volleyballplätze, eine Stockbahn mit Vereinshäusl und eine Boule-Anlage) sowie in die professionell strukturierte Nachwuchsarbeit zielgerichtet investiert.
Darüber hinaus bestreiten die neun Sparten mit den Volksfesteinnahmen auch ihren kompletten Trainings- und Spielbetrieb im Erwachsenen-, Kinder- und Jugendbereich. „Da kommt schon ein Sümmchen pro Jahr zusammen“, bilanziert Kassier Brence und ergänzt, „hier werden wir alle künftig den Gürtel enger schnallen müssen“.

Im Gegensatz zu diesen grundlegenden Überlegungen war der zu gestaltende Informationsfluss samt „Absage-Marathon“ mit allen Volksfest-Beteiligten deutlich prägnanter. Denn alle Planungen, Einladungen, Zeitabläufe, Auf- und Abbautermine sowie Absprachen, behördliche Anträge samt Genehmigungsverfahren als auch Verträge waren schon in trockenen Tüchern. Was fehlte war nur noch der offizielle Startschuss.
„Nachdem wir aber mit unseren Partnern aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit schon ein fast freundschaftliches Verhältnis pflegen, mussten wir hier zum Glück keine großen Krisengespräche führen, auch wenn die Entscheidung für den ein oder anderen schwere wirtschaftliche Auswirkungen und Einbußen mit sich bringt“, zeigte sich Alex Zehetmaier rückblickend erleichtert. Nach Darstellung des Wiesn-Bürgermeisters verliefen alle Gespräche in einer konstruktiven Stimmungslage, „sowohl bei der Brauerei, den Schaustellern als auch Standbetreibern, Pächtern und Musikkapellen sind wir trotz der schwerwiegenden und weitreichenden Maßnahme auf Verständnis gestoßen“.

Von einer positiven Resonanz seitens der Bevölkerung konnte Otto Afflerbach berichten. Nach seinen persönlich gemachten Erfahrungen lautete das überwiegende Echo auf die Absage, „im Sport kommt man nur mit einem gut aufgestellten Team zu Erfolg, also gehen wir auch diesen sicherlich schmerzlichen Weg mit dem SVB gemeinsam“. „Da sieht man die enge Verbundenheit mit unserem Sportverein, dies ist schon etwas ganz Besonderes und bestimmt nicht alltäglich“, freute sich der SVB-Schriftführer.

Neben der Absage der 69. SVB-Wiesn, schmerzt das SVB-Urgestein Christoph aber noch eine ganz andere Sache. „Gerade als Vorstand eines Sportvereins von über 2100 Mitgliedern mit mehreren hundert Kindern und Jugendlichen, blutet mir das Herz, wenn ich auf die gänzlich verwaisten Sportanlagen schaue und weiß, dass auch in allen Bruckmühler Sport- und Turnhallen derzeit `tote Hose´ ist“. Er bedauert in dem Zusammenhang, dass den Menschen somit auch ein enorm wichtiger Eckpfeiler im gesellschaftlichen Miteinander fehlt, „wo kann man denn besser gemeinsam Spaß haben, lachen oder sich auch mal ärgern, Erfolge feiern und Negativerlebnisse durchleben, als beim Sport“. In dem Zusammenhang sehnte er sich für Klein und Groß nach einer baldigen stufenweisen Öffnung der Sportanlagen mit den damit verbundenen Sicherheitsvorkehrungen. „Gerade in solchen Drucksituationen, wie wir sie derzeit alle durchleben und in Teilen auch durchleiden, kann der Sport seine wichtige und vielfältige Ventilfunktion entfalten“, gab Christoph seinem Wunsch Ausdruck. Nach Aussage der Pressestelle des DOSB vom 26. April laufen hierzu ja bereits erste Absprachen mit den entsprechenden Fachstellen.

„Trotz allem, resignieren geht jetzt gar nicht“, gab SVB-Vize Gleißner abschließend die klare Marschrichtung vor. Dazu wagte er einen humoristischen Ausblick. So soll am 10. Juli eine „Mobiler Mini Wiesn Einmarsch“ gestartet werden.

„Wenn die Gäste nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu unseren Volksfest-Fans“, beschreibt Gleißner mit einem Augenzwinkern das Procedere. Dazu soll die offene Ladefläche des 30-Jahre alten roten Transporters vom Wiesn-Bürgermeister zu einer kleinen „Wiesn-VIP-Box“ mit Musikanlage umgebaut werden. „Und dann fahren wir nach einem festgelegten Fahrplan mit ausgewiesenen Haltepunkten durch die Marktgemeinde und stoßen `bleifrei´ mit den Volksfestfreunden auf die nicht stattfindende 69. SVB-Wiesn an“, beschreibt Gleißner mit einem Lächeln und hochgereckten rechten Daumen das mögliche Procedere.

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