„Ein Sieg ist ein absolutes Muss“, läutete Mike Probst die richtungsweisende Begegnung gegen den TSV Zorneding ein. Diese Pflicht hat sein Team erfüllt – zumindest auf das Ergebnis bezogen. Der SV Bruckmühl hat das Kellerduell zum Auftakt der alles entscheidenden Wochen gewonnen und damit den direkten Klassenerhalt weiter in der eigenen Hand. So souverän wie der 3:1-Endstand es vermuten lässt, war der Erfolg aus SVB-Sicht allerdings gar nicht. Trotz des Sieges zeigte sich Trainer Mike Probst mal wieder überwiegend nicht zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Denn aktuell heißt es bei Bruckmühl „wöchentlich grüßt das Murmeltier“.

SV Bruckmühl wieder früh in Rückstand: „Wirklich sehr, sehr bedenklich“
Wie schon im letzten Kellerduell gegen den TSV Ebersberg vor knapp zwei Wochen sowie im Nachholspiel gegen den TuS Holzkirchen unter der Woche verschlief der SVB auch gegen Zorneding einmal mehr fast die ganze erste Halbzeit. „Wir standen die ersten 30 Minuten nicht zu 100 Prozent auf dem Platz. Das war wirklich sehr, sehr bedenklich“, ärgerte sich Probst nach dem Spiel immer noch, auch weil es inzwischen kein Einzelfall mehr ist: „Der psychologische Trott hat sich natürlich im Kopf festgesetzt. Diese rauszubekommen, ist natürlich nicht so einfach. Das ist eine Kopfsache. Wir verlernen nicht von heute auf morgen das Fußballspielen. Wir müssen uns da jedes Mal erst wieder ein Stück weit freischwimmen.“

Nächstes frühes Gegentor für SV Bruckmühl
Lukas Steidl, der sich im Laufe der Partie noch zum Spieler des Spiels entwickelte, pflichtete seinem Trainer bei: „Uns war die Unsicherheit auf dem unebenen Boden zu Beginn der ersten Halbzeit anzumerken. Dadurch hat uns auch der Mut gefehlt, klar nach vorne zu spielen. In der letzten Viertelstunde und in der zweiten Halbzeit haben wir uns dann getraut.“ Nicht einmal sieben Minuten waren dieses Mal gespielt, da gingen die Gäste schon in Führung. Die Bruckmühler Hintermannschaft konnte im eigenen Strafraum gleich mehrfach nicht konsequent klären. Am Ende der Fehlerkette schob Tobias Savary am zweiten Pfosten aus kurzer Distanz ein. Neuzugang und Rückkehrer Hansi Brandstetter, der anstelle von Maximilian Gröbmeyer zwischen die Pfosten gerückt war, war noch dran, konnte das Gegentor jedoch nicht verhindern.

Mike Probst ärgert sich: „Dürfen uns solche 30 Minuten nicht erlauben“
„Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten das frühe Tor dieses Mal auf unserer Seite sehen. Es kam dann ganz, ganz anders. Wir waren in der Situation im Strafraum zu schlafmützig, dass wir dreimal einen Abschluss zugelassen haben“, beschrieb Probst den Gegentreffer. Erst kurz vor der Pause fand Bruckmühl so langsam ins Spiel: „Wir wussten genau wie Zorneding agieren wird. Wir haben zu Beginn genau das gemacht, was ihnen perfekt in die Karten gespielt hat. Nach 30 Minuten ist es ein Stück weit besser geworden, weil wir geradliniger und genauer gespielt haben und vor allen Dingen auch den Ball in die Box bekommen haben. Daraus ist auch unsere erste Großchance entstanden. Wir haben gesehen, dass wir uns solche 30 Minuten eindeutig nicht erlauben dürfen. Gegen eine Mannschaft aus der oberen Tabellenregion wird es dann schwierig, ein solches Spiel zu drehen“, erklärte Probst.

SV Bruckmühl gleicht zum „psychologisch wichtigen Zeitpunkt“ aus
Knapp zehn Zeigerumdrehungen vor der Halbzeit rutschte eine Hereingabe an den zweiten Pfosten durch. Patrick Kunze setzte einen Volley freistehend über das Tor. Sekunden vor dem Pausenpfiff stand der Kapitän dann erneut im Zentrum des Geschehens. Der Mittelfeldspieler wurde bei einem Abschlussversuch am Fuß getroffen. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Michael Pohn parierte gegen Michele Cosentino, doch Philipp Keller gelang aus spitzem Winkel im Nachschuss der Ausgleich. „Es war ganz wichtig, dass wir noch vor der Pause den Ausgleich gemacht haben und unter anderen Vorzeichen in die Halbzeitpause gehen konnten. Das war dieser oft bemühte psychologisch wichtige Zeitpunkt. Wir waren nicht mehr so mit dem Rücken zur Wand“, führte Probst den wohl mit spielentscheidenden Ausgleich aus.

SV Bruckmühl mit Leistungssteigerung nach der Pause
Wie bereits gegen Ebersberg präsentierte sich Bruckmühl nach der Pause wie verwandelt und drängte sofort auf weitere Treffer und den Sieg. Der für Cosentino eingewechselte Markus Pergelt setzte direkt nach Wiederanpfiff zu einem Solo an. Sein Schuss aus zentraler Position ging jedoch deutlich über das Tor. „In der zweiten Halbzeit war ganz klar erkennbar, dass wir den Ernst der Lage erkannt hatten, das in der Pause Besprochene gut umgesetzt und dann wirklich versucht haben, das Spiel zu gewinnen“, zeigte sich Probst mit der Reaktion seines Teams einmal mehr zufrieden.

Luca Piga vergibt zweiten Elfmeter – Lukas Steidl trifft zur Führung
Nach 56 Minuten gab es den nächsten Elfmeter für die Hausherren. Maximilian Gürtler hätte nach einer Flanke frei vor dem Tor nur noch einköpfen müssen, wurde dabei jedoch von hinten geschupst. Mit Luca Piga vergab auch der zweite Deutsch-Italiener im Trikot des SVB an diesem Nachmittag vom Punkt. Wieder ahnte Pohn die Ecke. Doch Bruckmühl bewies Moral und drehte die Partie nur Sekunden später. Kunze befand sich nach einem Konter in einer aussichtsreichen Abschlussposition, bediente aber stattdessen am zweiten Pfosten Steidl, der nur noch einschieben musste.

Lukas Steidl schnürt Doppelpack binnen zwei Minuten
„Das 2:1 war natürlich eine geniale Aktion von Pati, dass er den Ball noch einmal querlegt. Da sieht man, welche Übersicht er hat. Der Ball danach war auf dem Geläuf nicht einfach für Luki zu verwerten. Das 3:1 hat uns dann natürlich in die Karten gespielt“, beschrieb Probst die schließlich entscheidenden Momente. Augenblicke darauf machte Steidl den SVB-Doppelschlag perfekt. Der Stürmer klaute seinem Gegenspieler den Ball vom Fuß und setzte den Ball anschließend in den Winkel. „Ich freue mich natürlich über die beiden Tore, darüber dass mit meinen Toren der Mannschaft zum Sieg verhelfen konnte, aber noch viel mehr“, beschrieb der Doppelpacker seine Gefühle nach der Partie.

Mike Probst zufrieden: „Haben uns für den Aufwand belohnt“
„Das Spiel hätte auch ganz anders verlaufen können, hätte Philipp den Nachschuss nicht verwandelt oder wäre direkt nach dem Elfmeter nicht das 2:1 gefallen“, gab Probst zu. In der Folge brachten die Hausherren den Vorsprung dann souverän über die Zeit. Von Zorneding kam im zweiten Spielabschnitt kaum mehr Nennenswertes. Mit dem siebten Saisonsieg rückt Bruckmühl auf Tabellenplatz neun vor und baut sechs Spiele vor Schluss den Vorsprung auf die Relegationsplätze auf vier Punkte aus. „Am Ende war es kein ganz unverdienter Sieg. Gott sei Dank haben wir uns belohnt, auch für den Aufwand. Es waren ganz, ganz, ganz wichtige drei Punkte. Hätten wir die nicht geholt, dann wären die nächsten Wochen noch schwerer geworden. Auch für das Selbstvertrauen war es ganz wichtig“, durfte sich Probst schlussendlich über den Sieg freuen.

Lukas Steidl: „Sieg gibt Rückenwind“
Steidl stimmte zu: „Es ist in unserer Situation ein enorm wichtiger Sieg. Wir haben jetzt noch viele weitere Spiele, die enorm wichtig sind. Deshalb gibt der Sieg noch einmal ein wenig Rückenwind für die kommenden Aufgaben.“

Im Nachgang verpasste die Dritte das Sechs-Punkte-Wochenende und musste sich trotz eines dieses Mal stark aufgestellten Kaders im Derby dem TV Feldkirchen II mit 0:5 geschlagen geben. (Alexander Nikel)