Sparte Tennis: Verwaiste Kids-Arena und einsame Grünanlagen

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29. April 2020

Coronakrise

Verwaiste Kids-Arena und einsame Grünanlagen

Torsten Neuwirth,
Pressewart SVB

28. April 2020

„Wir fühlen uns alle, wie ein Autofahrer, der ohne jegliche Vorwarnung gegen eine unsichtbare Wand fährt“, bringt Christoph Grenzer, Spartenleiter des SV Bruckmühl, die derzeitige Gefühlslage seiner kompletten Tenniscrew kurz und knapp auf den Punkt.
Nach Darstellung von Grenzer lief bis zum Nachmittag des 13. März alles nach Plan. Nach mehreren hundert Arbeitsstunden der Mitglieder um Chefkoordinator und Platzwart Anton Demmel war die nagelneue „SVB Tennis-Kids-Arena“ mit einer Punktlandung zu Saisonbeginn fertiggestellt. Gleiches galt auch für die komplette SVB-Tennisanlage mit ihren sechs Sandplätzen samt einrahmenden Grünanlagen und dem Vereinsheim. Alles war auf Hochglanz getrimmt und für die Saison 2020 startklar. „Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“, resümiert der Spartenleiter.

„Wir waren alle heiß auf den Saisonstart, bis in die Haarspitzen motiviert und unsere Kids kaum zu bremsen. Letztere wollten unbedingt ihren neuen „Kids-Court“ in Besitz nehmen“, blickt Grenzer mit einem Stirnrunzeln zurück. Bereits vor zwei Jahren initiierte der Tennischef das innovative und richtungsweisende Jugendnachwuchs-Projekt.

Mit seinem Vorschlag stieß er bei seiner Vorstandschaft auf offene „Scheunentore“. Nach dem Motto, „sowas fehlt uns noch“, wurde die Konzeption samt Planungsphase und Finanzierung in Angriff genommen. Ziel war die Realisation einer Multifunktionsspielstätte mit einem Kostenvolumen von zirka 20000 Euro. Zu dem 220 Quadratmeter großen Areal gehört ein Kleinfeldspielfeld mit höhenverstellbaren Netz. Der witterungsbeständige und robuste Spielbelag hat sogar „internationales Flair“. Es ist spezieller Kunststoffboden mit Noppenoberfläche, so wie er auch auf dem „ZDF-Traumschiff“ rund um die Poollandschaften und Aktionsflächen verlegt ist. Darüber hinaus kann die „SVB-Kids-Arena“ nicht nur für Tennis, sondern auch für viele andere Ballsportarten, wie zum Beispiel Badminton, genutzt werden. Auch ist variables Koordinationstraining auf dem kleinen Hightech-Tenniscourt möglich. Anfang Dezember des letzten Jahres krempelten dann die SVBler die Ärmel hoch und packten die Finalisierung des Projektes an. Auf der Agenda standen die Untergrundarbeiten, die Unterstützung der Pflasterarbeiten, die Verlegung des speziellen Sportbodens sowie die komplette Umzäunung der Kids-Area samt Aufbau eines Geräteschuppens.

Für den 25. April war die große Saisoneröffnungs- und Einweihungsfeier der SVB Tennis-Kids-Arena angesetzt. Als VIP-Sportler hatte bereits der Tennisfreud von Spartenleiter Grenzer, Matthias Kleibel (amtierender Badminton European Champion Master), seine aktive Teilnahme verbindlich zugesagt. Doch soweit kam es nicht. Am besagten 13. März, einer der letzten Trainingstermine der Hallensaison, erhielt der SVB-Tennischef auf der Sonnenterasse des Vereinsheims um 14 Uhr die Nachricht von seinem Jugendtrainer, „die Hallen sind vorsorglich gesperrt, es ist kein Training mehr möglich“. Geschockt wählte der Tennisvorstand daraufhin die Telefonnummer von Klaus Christoph. Der SVB-Vorstand bestätigte die aktuelle Entwicklung mit dem eindringlichen Hinweis, „alle sportlichen Aktivitäten sind wegen des Corona-Virus bis auf weiteres einzustellen, ausnahmslos und ab sofort“. „Da gehst du erst mal in die Knie und verstehst die Welt nicht mehr“, erklärt Grenzer die damalige Situation, die sich bis heute nicht geändert hat.

Aktuell scharren nach nunmehr schon fünf Wochen der Anlagenschließung 240 „gelbe Filzballfreunde“ mit dem Hufen und lechzen nach sportlicher Betätigung. Und hier versteht der Tennisvorstand die Welt nicht mehr so ganz. „Beim Tennis spielen zwei Partner auf einer Fläche von über 600 Quadratmetern durch ein Netz auch räumlich sauber getrennt. Sie können einzeln kommen, spielen auf zwei abgegrenzten Spielflächen, pausieren auf zwei über zehn Meter voneinander getrennten Sitzbänken und können wieder einzeln, ohne zu Duschen, nach Hause gehen. Auf den sportlichen Handschlag kann problemlos verzichten werden, sogar Desinfektionsmittel wäre vorhanden, also wo bitte ist das Problem“, schüttelt Grenzer etwas traurig den Kopf. Neben den fehlenden sozialen Kontakten der Spielerinnen und Spieler denkt er hierbei ganz besonders an die Mädchen und Jungen, „wenn die sich mal für eine Stunde austoben könnten, wäre die Welt doch wieder zu Hause deutlich entspannter“. In dem Zusammenhang macht er aber auch unmissverständlich klar, „da müssen wir alle gemeinsam durch, oberste Priorität hat immer die Gesundheit, vielleicht könnte man aber auch mit etwas mehr Augenmaß die ein oder andere Entscheidung angehen oder überdenken“.

Zum Schluss wird der Spartenleiter dann doch noch etwas emotional, „da blutet mir schon das Herz, wenn ich bei einem Kontrollgang mutterseelenallein auf der Tennisterrasse stehe, in totaler Stille beim Sonnenuntergang über menschenleere Tennisplätze und eine nagelneue Tennis-Kids-Arena schaue und nur noch ein paar Vögel zwitschern“.

Torsten Neuwirth

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